Und wie sieht es global aus?
Weltweit gesehen ist der Klimawandel und der damit einhergehende Gletscherschwund die wohl grösste Herausforderung der Menschheit für die nächsten Jahrhunderte. Der unaufhaltsam ansteigende Meeresspiegel ist eine gewaltige Bedrohung für Milliarden von Menschen in Küstenregionen. Wenn es so weitergeht, werden Städte wie New York versinken. Unglaublich viele Menschen würden so entwurzelt und zu Klimaflüchtenden werden. Unsere gesamte globale Gesellschaft würde umstrukturiert. Das gilt es zu verhindern.
Man weiss, dass etwas unternommen werden muss, es passiert aber zu wenig. Entsteht bei Ihnen dadurch eine gewisse Ohnmacht?
Mich spezifisch als Forschenden macht es nicht ohnmächtig, ich beschäftige mich täglich damit und sehe was abgeht. Wichtig wäre aber, dass auch die breite Bevölkerung erkennt, dass wir so nicht weitermachen können.
Was ist der Grund, warum diese Ohnmacht in der Bevölkerung ausbleibt?
Wir sprechen bei diesen Szenarien von langen Zeiträumen. Was in den nächsten paar Jahren passiert, ist für viele noch greifbar. Wenn wir aber von Konsequenzen ab dem Jahr 2100 und darüber hinaus sprechen, dann ist das für die meisten Menschen zu weit weg. Wenn wir aber als Menschheit weiterhin bestehen wollen – auch in 500 Jahren noch – dann müssen wir uns solche Gedanken machen.
Was wäre eine Lösung, um die schlimmsten Szenarien abzuwenden?
Wir müssen die weltweiten CO2-Emmissionen auf null bringen, wenn der Klimawandel global noch auf einem einigermassen ertragbaren Niveau bleiben soll.
Wie stehen unsere Chancen, das zu erreichen?
Es ist nicht mehr fünf vor zwölf, sondern fünf nach zwölf.
Im Klartext: Es ist zu spät?
Die Menschheit hätte besser schon vor 20 Jahren reagiert, als die Fakten bereits auf dem Tisch lagen. Auch wenn wir sehr spät dran sind; es ist wichtig, jetzt sofort Massnahmen zu ergreifen, anstatt zuzuwarten. Mit jedem Jahr, in dem wir nichts tun, wird es schlimmer. Wenn wir gar nichts machen, wird es dramatisch. Die Klimaeffekte werden irgendwann völlig aus dem Ruder laufen.
Gut ist immerhin, dass das Thema sehr präsent ist. Das stimmt mich positiv. Die CO2-Emmissionen steigen zwar global noch immer leicht, aber die Diskussionen werden sehr aktiv geführt. Bei fast allen Regierungen weltweit scheint das Verständnis vorhanden zu sein, dass man handeln muss. Diese Handlungen gehen zwar noch nicht weit und schnell genug, trotzdem sind wir auf dem richtigen Weg.
Gibt es Massnahmen, die jede und jeder ergreifen kann, um unsere Gletscher zu schützen?
Gletscher rettet man über den Klimaschutz. Dazu braucht es eine persönliche Verhaltensänderung. Weniger reisen, weniger Autofahren, die Essgewohnheiten ändern und so weiter. Das sind primär selbstlose Akte. Meine Hoffnung ist, dass das Problem über einen Generationenwechsel gelöst werden kann. Unsere Kinder wachsen in einer Welt auf, in der ganz anders über das Thema Klimawandel gesprochen wird.